Legato Frames: KI-Hörbrille ab 999 Dollar im Handel
Legato, ein Start-up für Hörtechnik, hat mit dem Verkauf seines ersten Produkts begonnen. Die Legato Frames sind Brillen, deren Bügel eine Hörunterstützung enthalten. Mithilfe von KI filtern sie Stimmen aus Hintergrundgeräuschen heraus. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, sind sie ab sofort erhältlich. Die Preise beginnen bei 999 Dollar. Die Brillen richten sich an Erwachsene mit leichtem bis mittelgradigem Hörverlust.
Nach eigenen Angaben will das Unternehmen Hörversorgung leichter zugänglich machen. Dazu geht es drei häufige Gründe an, aus denen Menschen auf Hörgeräte verzichten: Kosten, Tragekomfort und Stigma. Die Technik in eine Brille zu verlagern, ist seine Antwort auf alle drei.
So verarbeiten die Brillen Geräusche
Herkömmliche Hörgeräte setzen oft auf Richtmikrofone. Diese konzentrieren sich auf Schall aus einer Richtung und schneiden in lauter Umgebung häufig schlecht ab. Legato geht einen anderen Weg. Das KI-System trennt Stimmen von den Umgebungsgeräuschen, verstärkt dann die Stimmen und dämpft die Geräusche, die der Träger nicht hören will.
Die Brillen sind offen gestaltet, im Gehörgang steckt also nichts. Laut Legato können Menschen in der Nähe trotzdem nicht mithören, was der Träger hört. Ein System mit zwei Lautsprechern richtet den Schall auf den Träger aus und löscht den Schall aus, der nach außen dringt. Nach Angaben des Unternehmens wird der Schall so schon wenige Zentimeter vom Ohr entfernt um 99 % reduziert.
Auch der Datenschutz gehört zum Verkaufsargument. Legato zufolge findet die gesamte Verarbeitung direkt auf der Brille statt, zudem gibt es keine Kameras und keine Aufzeichnung.
Technische Daten und Verfügbarkeit
- Gewicht: 34 Gramm, inklusive Gläser
- Akkulaufzeit: 10 bis 12 Stunden
- Modelle: drei Fassungen zur Auswahl
- Gläser: Korrekturgläser möglich
- Verbindung: Bluetooth-Streaming für Musik und Telefonate
Bestellen lassen sich die Legato Frames über die Website des Start-ups oder bei ausgewählten Augenoptikern in den USA. Beim Kauf über diese Anbieter kann die Brille von einer Sehversicherung übernommen werden. In den USA ist die Sehversicherung eine eigene Versicherungsart, die in der Regel Zuschüsse für Augenuntersuchungen, Brillen und Kontaktlinsen leistet.
Das Team und das Geld
Der Marktstart kommt wenige Wochen, nachdem Legato mit einer Finanzierung von 12 Millionen Dollar aus dem Verborgenen getreten ist. Geldgeber sind Neotribe Ventures, Listen und Village Global.
Mehul Trivedi und Steve Romine haben das Unternehmen 2024 gegründet. Beide waren zuvor bei Bose tätig. Dort leitete Trivedi die Entwicklung der Bose Frames, der Audio-Sonnenbrillen des Konzerns, während Romine die Hörgerätesparte führte. Trivedi wechselte anschließend zum Brillenkonzern EssilorLuxottica, wo er Projekte für smarte Brillen leitete und an der Smartbrille Meta Ray-Ban mitarbeitete. Romine wurde COO von Audicus, einem Unternehmen für Hörversorgung. Später taten sich die beiden zusammen, um Produkte zu entwickeln, die Hörtechnik und smarte Brillen verbinden.
Unsere Einschätzung
Legato ist ein gutes Beispiel dafür, wie KI in einem Produkt auftaucht, das gar nicht als KI-Produkt verkauft wird. Das Verkaufsargument ist kein Chatbot und kein Assistent. Es ist eine eng umrissene, praktische Aufgabe: Gespräche in einem lauten Raum leichter verständlich zu machen. Die Zusage, alles direkt auf dem Gerät zu verarbeiten, spielt dabei eine wichtige Rolle. Smarte Brillen mit Kameras haben Datenschutzbedenken ausgelöst, und Legato scheint sich bewusst als Gegenentwurf dazu zu positionieren.
Der Werdegang der Gründer lässt vermuten, dass das Unternehmen beide Seiten des Problems versteht, Brillen und Hörversorgung. Ob die KI-gestützte Geräuschtrennung in vollen Restaurants oder auf belebten Straßen hält, was sie verspricht, ist noch offen, und unabhängige Tests werden die eigentliche Bewährungsprobe sein. Spannend bleibt auch, ob die Übernahme durch die Sehversicherung den Preis von 999 Dollar für mehr Menschen erschwinglich macht und ob größere Hersteller smarter Brillen selbst in die Hörunterstützung einsteigen.
