Nous Research: 1,5 Mrd. Dollar Bewertung, Hermes für Firmen
Nous Research, das Start-up hinter dem Open-Source-Agenten Hermes Agent, hat eine Series-B-Runde über 90 Millionen Dollar bestätigt, die das Unternehmen mit 1,5 Milliarden Dollar bewertet. TechCrunch hatte zuvor über den Deal berichtet, nun hat das Unternehmen ihn offiziell gemacht. Mit dem Geld soll eine neue Produktlinie für Unternehmen entstehen. Bisher richtete sich Hermes vor allem an Entwickler und Einzelnutzer, die das Projekt überhaupt erst bekannt gemacht haben.
Die Ankündigung dreht sich um drei Punkte: wer hinter dem Unternehmen steht, wie verbreitet sein Open-Source-Agent schon ist und wie Nous diese Reichweite in Umsatz mit Firmenkunden verwandeln will.
Wer Geld gegeben hat
Angeführt wurde die Runde von Robot Ventures. Mehrere weitere Investoren beteiligten sich:
- Nvidia
- Union Square Ventures
- Menlo Ventures
- Samsung
- 1789 Capital, wo Donald Trump Jr. Partner ist
Nous Research gibt es seit drei Jahren. Mit dieser Runde hat das Unternehmen insgesamt 158 Millionen Dollar eingesammelt. Mehr als die Hälfte der gesamten Finanzierung stammt damit aus einer einzigen Series B. Für ein so junges Unternehmen ist das ein großer Anteil.
Die Investoren sind bunt gemischt. Darunter sind ein Chiphersteller, ein Konzern für Unterhaltungselektronik, etablierte Risikokapitalgeber und ein Fonds mit politischen Verbindungen. Welche Rolle die einzelnen Geldgeber über das Kapital hinaus spielen sollen, hat Nous nicht näher erläutert.
Wie groß Hermes Agent schon ist
Hermes Agent ist bei Entwicklern und Einzelnutzern beliebt. Nach Schätzungen des Start-ups wurde er mehr als 24 Millionen Mal geklont. Außerdem geht Nous davon aus, dass Hermes für rund 2,5 Prozent des weltweiten KI-Token-Verbrauchs verantwortlich ist. Tokens sind die kleinen Texteinheiten, die Sprachmodelle lesen und erzeugen. Sie sind die übliche Grundlage, um KI-Arbeitslasten zu messen und abzurechnen.
Beide Zahlen stammen vom Unternehmen selbst und wurden nicht unabhängig überprüft. Trotzdem erklären sie, warum Investoren bereit waren, einen hohen Preis zu zahlen. Ein Open-Source-Projekt kann sich schnell verbreiten, ganz ohne Vertriebsteam. Offen ist allerdings, ob aus diesen Nutzern zahlende Kunden werden.
Hermes for Businesses
Genau diese Frage soll die neue Finanzierung beantworten. Nous steigt mit "Hermes for Businesses" in den Unternehmensmarkt ein. Damit können Firmen maßgeschneiderte KI-Agenten einsetzen. Laut Unternehmen können diese Agenten mehrstufige Arbeitsabläufe erledigen und dabei Firmendaten privat und sicher halten.
Damit greift Nous die beiden Bedenken auf, die den Einsatz von Agenten in Unternehmen meist bremsen. Das erste ist die Zuverlässigkeit über lange Aufgabenketten hinweg: Ein Agent, der einen einzigen Schritt falsch macht, kann den ganzen Ablauf zum Entgleisen bringen. Das zweite ist der Umgang mit Daten. Unternehmen wollen Agenten, die mit internen Dokumenten und Systemen arbeiten können, ohne sensible Informationen dorthin zu schicken, wo sie nicht hingehören.
Preise oder eine Liste erster Kunden für das Unternehmensprodukt hat Nous nicht veröffentlicht. Auch welche Branchen das Unternehmen zuerst ins Visier nimmt, ist nicht bekannt.
Die Umsatzlage
Das Wall Street Journal berichtete, dass Nous bis Mitte September 2026 einen annualisierten Umsatz von rund 36 Millionen Dollar erreicht hatte. Laut demselben Bericht erwartet das Unternehmen, noch vor Jahresende die Marke von 100 Millionen Dollar zu überschreiten.
Von 36 Millionen auf mehr als 100 Millionen Dollar in etwa dreieinhalb Monaten wäre ein sehr schnelles Wachstum. Der Start des Unternehmensangebots dürfte ein wichtiger Teil des Plans sein, um dorthin zu kommen. Woher die erwarteten Umsätze genau stammen sollen, schlüsselt die Berichterstattung allerdings nicht auf.
Was das bedeutet
Diese Runde passt zu einem Muster, das wir bei Agenten-Werkzeugen immer wieder sehen: Das Open-Source-Projekt sorgt für Reichweite, das kostenpflichtige Produkt wird an Unternehmen verkauft. Schwierig ist es, diesen zweiten Schritt zum Laufen zu bringen, und genau das muss Nous jetzt beweisen.
Der Wettbewerb um dieses Geschäft ist hart. Große Anbieter bauen Agenten in Software ein, die Unternehmen ohnehin schon nutzen, etwa SAP mit seiner Joule-Arbeitsebene. Plattformen wie Cohere ergänzen Kostenkontrollen wie Obergrenzen für Token-Ausgaben. Die Open-Source-Herkunft könnte Nous bei Unternehmen helfen, die sehen wollen, wie die Software funktioniert. Die Sicherheitsversprechen belegt sie für sich genommen aber nicht.
Das Datenschutzversprechen ist wichtig, weil Agenten bereits echten Schaden angerichtet haben, darunter Fälle, in denen Agenten Screenshots von Unternehmen veröffentlicht haben. Es lohnt sich zu beobachten, ob Nous konkrete Sicherheitsdetails veröffentlicht, seine Firmenkunden nennt und ob sich die Prognose von 100 Millionen Dollar tatsächlich hält.
