Figma Specs: Neuer Markdown-Editor setzt KI-Agenten Regeln
Figma will, dass sich KI-Agenten an die Designregeln einer Marke halten, statt nur etwas zu liefern, das plausibel aussieht. Auf seiner ersten Config-Veranstaltung in Indien hat die Designplattform diese Woche eine Reihe von Funktionen vorgestellt, die alle auf einer Idee beruhen: Agenten, sowohl Figmas eigenen als auch denen von Drittanbietern, eine klare und zentrale Vorgabe dafür zu geben, wie ein Unternehmen gestaltet.
Die Ankündigungen umfassen einen neuen Markdown-basierten Editor, erweiterten Kontext für Designsysteme, eine breitere Beta für Code auf der Arbeitsfläche, mehr Werkzeugintegrationen und eine engere Anbindung an das Content-Management-System Payload, das Figma im vergangenen Jahr übernommen hat.
Figma Specs: eine schriftliche Definition der Designsprache
Die wichtigste Neuerung heißt Figma Specs. Dabei handelt es sich um einen Markdown-Editor, in dem Teams ihre Designsprache in einfachem, strukturiertem Text beschreiben. Das so entstandene Dokument dient als Referenz für menschliche Designer und für Agenten, die in Figma arbeiten.
Eine Spec kann als eigene Datei existieren oder direkt auf der Arbeitsfläche neben den Entwürfen liegen, die sie beschreibt. Sie ist mehr als ein Textfeld. Nutzer können auf andere Figma-Elemente verweisen, etwa auf Objekte auf der Arbeitsfläche, und FigJam-Diagramme, Code-Ebenen und Entwürfe einbetten. FigJam ist Figmas Whiteboard-Werkzeug.
Teams können außerdem weiteren Kontext für ihr Designsystem einbinden: Designbibliotheken, Codebibliotheken und schriftliche Richtlinien. Agenten können dieses zentrale System dann zurate ziehen, wenn sie Arbeiten erstellen oder ändern. So liegen die Regeln an einem Ort, statt über Dateien und Köpfe verstreut zu sein. Der Ansatz ähnelt im Grundgedanken Bemühungen, Unternehmensdaten mit KI zu verknüpfen, und zwar über eine gemeinsame Kontextebene.
Einen nicht-deterministischen Agenten lenken
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. In der vergangenen Woche hat Figma seinen Agenten auf der Arbeitsfläche für einen größeren Nutzerkreis geöffnet. KI-Ergebnisse sind nicht-deterministisch, das heißt, dieselbe Anfrage kann jedes Mal zu anderen Ergebnissen führen. Figmas Antwort darauf sind Werkzeuge, die den Agenten zu vorhersehbareren Ergebnissen lenken, und Specs ist das direkteste Beispiel dafür.
Code-Ebenen gehen in die offene Beta
Figma hat zudem seine Funktion für Code-Ebenen als offene Beta für alle freigegeben. Code-Ebenen fügen Entwürfen auf der Arbeitsfläche Code hinzu und ermöglichen so interaktivere Prototypen. Das Unternehmen hatte die Funktion erstmals im Juni in einer geschlossenen Beta angekündigt; mit der Veranstaltung in Indien wird der Zugang erweitert, damit mehr Nutzer sie testen können.
Nutzer können den Agenten bitten, einen Entwurf in Code umzuwandeln oder einen Teil des Codes zu ändern, während sie an einem Prototyp feilen.
Loredana Crisan, Chief Design Officer bei Figma, erklärte TechCrunch die Überlegung dahinter. "Wir sehen Figma als den Ort, an dem Softwareteams entscheiden, was sie bauen und ausliefern", sagte sie. Sie verwies auf die Lücke zwischen der Menge an Code, die heute geschrieben wird, und dem, was tatsächlich ausgeliefert wird: "Heute wird 17-mal mehr Code produziert als früher. Aber wenn man sich die Releases ansieht, sind es nur 1,3-mal mehr Releases. Ein großer Teil dieses Codes wird eigentlich nicht unbedingt geschrieben, um ausgeliefert zu werden, sondern vor allem, um herauszufinden, was das Produkt ist. Er wird geschrieben, um zu gestalten."
Anders gesagt: Figma sieht einen Großteil des heute von KI erzeugten Codes als eigenständiges Designwerkzeug, als Möglichkeit, eine Idee zu erkunden, statt als fertiges Produkt.
Mehr MCP-Werkzeuge und eine Payload-Integration
Laut Figma umfasst die MCP-Unterstützung jetzt mehr als 20 neue Werkzeuge. MCP, das Model Context Protocol, ist ein verbreiteter Weg, über den KI-Werkzeuge sich mit externer Software und Daten verbinden. Zu den Neuzugängen gehören Open Code, Dia, Grok Bot und Sarvam, ein indisches KI-Start-up.
Beim Veröffentlichen verbindet Figma Payload mit Figma Make, seinem Produkt zum Erstellen von Websites. Payload ist ein quelloffenes Headless-CMS, also ein Content-Management-System, das Inhalte speichert und ausliefert, ohne vorzugeben, wie das Frontend aussieht. Die Integration soll es Nutzern ermöglichen, dynamische Websites zu bauen und deren Inhalte direkt zu verwalten. Nach Angaben von Figma haben sich die Downloads von Payload in den vergangenen zwölf Monaten versechsfacht.
Warum Indien
Die Wahl des Veranstaltungsorts spiegelt Figmas Prioritäten wider. Das Unternehmen hat Ende vergangenen Jahres sein erstes Büro in Indien eröffnet, zuständig für Vertrieb, Partnerschaften, Markteinführung und Produktsupport. Figma zufolge ist Indien gemessen an den Nutzern sein größter Markt außerhalb der USA, und das Unternehmen arbeitet mit 40 % der 100 größten an der Bombay Stock Exchange notierten Unternehmen Indiens zusammen, einer der beiden wichtigsten Börsen des Landes.
Unsere Einschätzung
Das Spannendste an dieser Neuerung ist nicht der Editor selbst, sondern was er bedeutet: Je mehr Designarbeit Agenten übernehmen, desto mehr verlagert sich der Engpass vom Erzeugen von Ergebnissen hin dazu, diese Ergebnisse einheitlich zu halten. Eine Definition der Designsprache in einfachem Text, die Menschen und Agenten gleichermaßen lesen können, ist ein praktischer Weg, die Bandbreite der Ergebnisse einzugrenzen, ohne den Agenten in starre Abläufe zu zwängen.
Das passt zu einem größeren Muster. Anbieter von Unternehmenssoftware versuchen, ihre Produkte zu Orten zu machen, an denen Agenten nach festgelegten Regeln arbeiten, so wie SAP es mit Joule als agentischer Arbeitsebene tut. Branchenverbände schreiben in anderen Bereichen gemeinsame Regeln für Agenten.
Es lohnt sich zu beobachten, ob über MCP angebundene Agenten von Drittanbietern Specs in der Praxis tatsächlich beachten oder ob die Vorgaben vor allem Figmas eigenem Agenten helfen. Crisans Zahlen zu Code und Releases deuten zudem darauf hin, dass Figma sich der Entwicklung vorgelagert positioniert. Ob Code-Ebenen und Figma Make echte Entwicklungsarbeit auf die Arbeitsfläche holen, wird sich zeigen, wenn die offene Beta abgeschlossen ist.
