Claude-Rückzug: Meta und Microsoft kürzen interne Nutzung

Claude-Rückzug: Meta und Microsoft kürzen interne Nutzung

Zwei der größten Unternehmenskunden von Anthropic fahren ihre Nutzung zurück. Meta und Microsoft schränken beide ein, wie stark ihre eigenen Mitarbeiter Claude nutzen, die KI-Modellfamilie von Anthropic. Die Einschnitte sind groß, und sie zeigen, wie sich das Verhältnis zwischen KI-Laboren und Big Tech verändert.

Die Zahlen stammen aus einem Bericht von The Information. Das Motiv scheint über reine Kostenkontrolle hinauszugehen.

Microsoft schickt Mitarbeiter zu hauseigenen Alternativen

Microsofts Ausgaben für Claude waren auf dem besten Weg, die Marke von 1 Milliarde Dollar pro Jahr zu überschreiten. Diese Prognose ist vom Tisch. Die Manager Scott Guthrie und Jay Parikh wiesen die Belegschaft an, stattdessen interne Werkzeuge zu verwenden, darunter GitHub Copilot und Modelle von OpenAI, Microsofts langjährigem KI-Partner.

Die Wirkung trat sofort ein. Die Ausgaben für Claude sanken um mehr als ein Drittel. In der Cloud-Sparte fiel das monatliche Budget pro Mitarbeiter Berichten zufolge von 100.000 Dollar auf rund 10.000 Dollar.

Meta halbiert die Zahl der Claude-Code-Nutzer

Bei Meta sehen die Kürzungen ähnlich aus. Die Zahl der Mitarbeiter, die Claude Code nutzen, das agentische Programmierwerkzeug von Anthropic, sank von etwa 60.000 auf rund 30.000.

Hinter dem Rückgang stehen zwei Faktoren. Ein Teil geht auf Entlassungen zurück. Der Rest darauf, dass Meta seine Entwickler zu eigenen Werkzeugen wie Muse Code und MetaCode lenkt.

Die Höhe der Ausgaben erklärt, warum Meta genau hinschaut. In einem Zeitraum von 28 Tagen gab der Konzern allein für Claude Code mehr als 105 Millionen Dollar aus. Meta hatte bereits im Juni Maßnahmen eingeführt, um die KI-Kosten zu senken. Der jetzige Schritt setzt also einen Trend fort, der schon im Gange war.

Nicht nur eine Frage des Geldes

Sparen ist ein naheliegender Grund. Wahrscheinlich aber nicht der einzige.

Meta will Produkte verkaufen, die mit denen von Anthropic konkurrieren. Einem Rivalen große Summen zu zahlen, damit er die interne Arbeit antreibt, passt nicht zu diesem Plan. Dem Bericht zufolge wollte Meta außerdem den Zugang von Anthropic zu seinen Trainingsdaten begrenzen. Diese Sorge entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn man bedenkt, wie Meta selbst mit den Daten anderer umgeht.

Hinzu kommt die Frage der Größe. Anthropic ist sehr schnell gewachsen, und die etablierten Konzerne sehen darin inzwischen ein echtes Problem. Microsoft hat eigene Gründe, vorsichtig zu sein. Produkte wie Claude Cowork und ChatGPT Work entwickeln sich zunehmend zu Alternativen zu Office, einem der Kerngeschäfte von Microsoft.

Das Unternehmen, das vor Kurzem noch wie ein Zulieferer aussah, wirkt jetzt also ziemlich wie ein Konkurrent.

Unsere Einschätzung

Das deutet darauf hin, dass die Zeit unkomplizierter Partnerschaften zwischen führenden KI-Laboren und Big Tech zu Ende geht. Früher verkaufte Anthropic Modelle, auf denen andere Unternehmen aufbauten. Heute bringt es eigene Produkte auf den Markt, darunter Programmieragenten und Werkzeuge für den Arbeitsalltag, die direkt mit dem konkurrieren, was seine größten Kunden verkaufen. Wenn das passiert, fragen sich Kunden, ob sie mit ihrem Geld einen Rivalen finanzieren.

Die Reaktionen der beiden Konzerne sind aufschlussreich. Keiner von ihnen verabschiedet sich von KI-gestützter Arbeit. Beide verlagern ihre Ausgaben auf Werkzeuge, die ihnen selbst gehören, oder auf Partner, denen sie mehr vertrauen. Für Microsoft heißt das GitHub Copilot und OpenAI. Für Meta heißt das Muse Code und MetaCode. Die Nachfrage nach KI ist weiterhin da. Geändert hat sich, wer dafür bezahlt wird.

Für Teams, die KI-Werkzeuge einkaufen, steckt darin eine praktische Lehre. Die Wahl des Anbieters ist nicht nur eine Frage von Benchmarks und Preis. Sie hängt auch davon ab, wohin sich ein Anbieter strategisch bewegt und mit wem er als Nächstes konkurrieren könnte. Das spielt eine Rolle für die Trainingsdaten und für die langfristige Abhängigkeit.

Einige Punkte lohnt es sich im Auge zu behalten. Zum einen, ob andere große Kunden, die mit Anthropic konkurrieren, dem Beispiel von Meta und Microsoft folgen. Zum anderen, ob das Wachstum von Anthropic die entgangenen Einnahmen ausgleicht oder ob sich der Verlust zweier Großkunden in den Zahlen bemerkbar macht. Und schließlich, ob die hauseigenen Werkzeuge bei Meta und Microsoft gut genug sind, damit die Entwickler dabei bleiben, oder ob die Nutzung mit der Zeit wieder zu Claude zurückwandert. Die Antworten dürften zeigen, ob es sich um eine kurzfristige Budgetkorrektur handelt oder um einen dauerhaften Wandel im Umgang von Big Tech mit KI-Laboren.