Verbraucher-KI: a16z-Partnerin Moore sieht Markt am Anfang

Verbraucher-KI hat ein Geldproblem. Die Nutzung ist enorm, doch nur sehr wenige zahlen, und der Betrieb der Modelle kostet weit mehr als die Auslieferung einer klassischen Webseite. Nicht jeder hält das für eine schlechte Nachricht. Olivia Moore, Partnerin bei der Wagniskapitalfirma Andreessen Horowitz (a16z) und dort für KI-Anwendungen für Verbraucher zuständig, sieht einen Markt, der gerade erst begonnen hat.

Am Montag veröffentlichte Moore die neueste a16z-Rangliste der 100 wichtigsten KI-Apps für Verbraucher. Im Gespräch mit TechCrunch erklärte sie diese Woche, warum sie die Kategorie für weit offen hält und woher die Umsätze kommen könnten.

Was die Top-100-Liste zeigt

Das zentrale Ergebnis überrascht nicht. ChatGPT liegt mit großem Abstand vorn. Weiter unten halten kleinere Firmen wie Suno und ElevenLabs ihre Plätze über längere Zeit, was Moore als Zeichen für eine dauerhafte Nachfrage wertet.

Aufschlussreicher ist, was in der Liste fehlt. Moores Bericht nennt eine Reihe alltäglicher Kategorien, in denen kein einziger KI-Anbieter unter den Top 100 auftaucht:

  1. Soziale Netzwerke
  2. Dating-Apps
  3. Marktplätze
  4. Einzelhandel
  5. Reisen
  6. Finanzen
  7. Gesundheit

Diese Lücken nannte sie "ziemlich überraschend". Genau sie will sie in den kommenden sechs Monaten gefüllt sehen.

Die meiste "Verbraucher"-KI ist eigentlich Prosumer-KI

Laut Moore ist fast alles, was heute als Verbraucher-KI bezeichnet wird, in Wahrheit Prosumer-KI: Werkzeuge, die Einzelpersonen bezahlen, aber für die Arbeit nutzen. Die Umsatzranglisten machen das deutlich. Zahlende Intensivnutzer ballen sich in drei Bereichen:

  • Produktentwicklung: Lovable, Replit und Fal.
  • Produktmarketing: KI-Werbegeneratoren wie Higgsfield und HeyGen.
  • Arbeitsorganisation: Manus, Fireflies AI und Granola, eine Notiz-App, die nun einen lokal arbeitenden Konkurrenten von Google bekommt.

Einzelpersonen mögen diese Werkzeuge zuerst bezahlen, doch Moore zufolge handelt es sich nicht um Verbraucherprodukte im Sinne der Zeit vor der KI.

Das knüpft an eine Idee aus einem Essay an, den sie vor etwa einem Jahr geschrieben hat: "The Great Expansion". Vor der KI brauchten verbraucherorientierte Firmen wie Canva oft sechs oder sieben Jahre, bevor sie Team- oder Unternehmenstarife einführten. Heute starten Firmen wie Gamma, ElevenLabs und Cursor bei Verbrauchern und werden innerhalb von rund 18 Monaten überwiegend zu Unternehmensanbietern.

OpenAIs Hinwendung zu Unternehmen

Dass OpenAI sich in diesem Jahr wieder stärker auf Geschäftskunden konzentriert, hat Zweifel an den Umsätzen mit Verbraucher-KI genährt. Moore sieht darin eine Erweiterung, keinen Rückzug, denn das Unternehmen bringt weiterhin viele Verbraucherprodukte heraus. Sie kann den Schritt auch nachvollziehen. Bislang stammt fast der gesamte KI-Umsatz aus Abonnements und Token-Nutzung, und beides entfällt überwiegend auf Unternehmens- und Prosumer-Kunden.

Abos oder Werbung

Eine Zahl aus dem Bericht State of Markets umreißt das Problem: Nur 2,2 % der US-Haushalte zahlen für KI. Moore sagte, sie hoffe nicht unbedingt, dass dieser Wert steigt. Ihr wäre lieber, die Branche fände Wege, mit Verbrauchern Geld zu verdienen, das nicht direkt aus deren Geldbeutel kommt.

Aus ihrer Sicht sagen Gutverdiener im Silicon Valley mit Firmenkreditkarte leicht, sie würden lieber bezahlen. Die meisten Menschen, so ihr Argument, hätten lieber kostenlosen Zugang mit Werbung, plus die Möglichkeit, ein Abo abzuschließen, wenn sie die Werbung loswerden wollen.

Die Kostenfrage

Der Preis ist das zweite Hindernis. KI-Dienste kosten pro Nutzer noch immer deutlich mehr als Facebook oder die Google-Suche. Moore verwies auf Anzeichen eines Wandels. ChatGPT bietet inzwischen einen Go-Tarif für 8 Dollar im Monat an, der ihrer Annahme nach günstigere Modelle nutzt. Nicht jede Aufgabe braucht Spitzenintelligenz, und Gründer aus dem a16z-Umfeld sprechen zunehmend davon, auf Open-Source-Modellen aufzubauen.

Der Haken: Die heutigen zahlenden Nutzer programmieren vor allem oder automatisieren technische Abläufe, und dafür braucht es vermutlich tatsächlich die besten Modelle. Je mehr Firmen für ganz normale Verbraucher entwickeln, wo "das Modell nicht das Produkt ist", desto größer dürfte laut Moore die Rolle günstigerer Modelle werden.

Auf die Frage, ob echte Verbraucher-KI schon angekommen sei, antwortete sie knapp: "Es ist definitiv noch sehr früh."

Unsere Einschätzung

Moores Argument läuft auf einen Wechsel des Geschäftsmodells hinaus: weg von Abonnements, hin zum werbefinanzierten, zunächst kostenlosen Modell, mit dem das Verbraucher-Internet groß geworden ist. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. OpenAI hat begonnen, Bildanzeigen in ChatGPT einzublenden, und Google hat kostenlose Gemini-Nutzer auf ein schlankeres Modell umgestellt. Beide Schritte passen zu ihrer These, dass günstigere Modelle und Werbung womöglich zusammenspielen müssen.

Die eigentliche Bewährungsprobe sind die leeren Kategorien. Dating, Reisen, Finanzen und Gesundheit sind große, hart umkämpfte Verbrauchermärkte. Es lohnt sich zu beobachten, ob KI-native Apps dort Fuß fassen oder ob die etablierten Anbieter zuerst KI-Funktionen nachrüsten. Zu bedenken ist außerdem, dass a16z selbst in diesem Bereich investiert, sein Optimismus also keine neutrale Prognose ist. Ob der Zeitrahmen von "sechs Monaten" hält, ist offen.