Gemini 4 Carbon soll beim Coden mit Opus 5.5 mithalten
Google hat Gemini 4 "Argon" noch gar nicht veröffentlicht, und schon kursieren Berichte über den Nachfolger. Intern wird eine neue Variante namens Carbon getestet, und mindestens ein Google-Mitarbeiter hält sie für konkurrenzfähig mit Anthropics bestem Programmiermodell.
Die Details stammen von Business Insider. Das Magazin gibt an, Dokumente, Screenshots und interne Chats eingesehen zu haben. Demnach testet Google mehrere Varianten von Gemini 4 unter den Codenamen Argon, Barium und Carbon. Die Hinweise sind inoffiziell und vorläufig, gewähren aber einen ungewöhnlichen Einblick, wie schnell Google an seinem nächsten Spitzenmodell feilt.
Carbon landet auf Googles interner Programmierplattform
In den vergangenen Tagen wurde Carbon auf Jetski bereitgestellt, Googles interner Programmierplattform. Laut Business Insider schneidet es besser ab als Argon, vor allem bei Programmieraufgaben.
Ein Mitarbeiter verglich Carbon mit Opus 5.5, Anthropics stärkstem Modell fürs Programmieren. Dieser Vergleich hat allerdings einen Haken: Das Modell muss noch weiter getestet werden, bevor sich belastbare Schlüsse ziehen lassen.
Auffällig wird der Vergleich vor dem Hintergrund früherer Rückmeldungen zu Argon. Bei manchen Programmieraufgaben erinnerten frühe Argon-Versionen einen anderen Mitarbeiter an Opus 5, Anthropics älteres Modell. Insgesamt fielen die internen Reaktionen auf Argon dennoch positiv aus. Trotzdem deutet der Unterschied zwischen "fühlt sich an wie Opus 5" und "fühlt sich an wie Opus 5.5" darauf hin, dass Carbon bei der Softwareentwicklung einen spürbaren Sprung macht - zumindest nach Einschätzung derjenigen, die es bei Google nutzen.
Was Argon eigentlich ist
Um die Rolle von Argon gab es einige Verwirrung. Frühe Gerüchte beschrieben es als Flash-Modell, also als Version, die auf Geschwindigkeit statt auf Höchstleistung getrimmt ist. Google stellte das klar, als es seinen Gemini-Agenten für Google Workspace ankündigte.
In dieser Ankündigung wies Google jeder Modellfamilie eine bestimmte Aufgabe zu. In den Worten des Unternehmens: "Argon für Spitzen-Reasoning, Flash für Geschwindigkeit und Volumen, Omni für generative Medien und Gemma für schlanke Edge-Anwendungen mit offenen Gewichten."
Damit steht Argon an der Spitze von Googles Modellpalette. Es ist Googles leistungsfähigstes Reasoning-Modell und spielt in derselben Liga wie Anthropics Opus und OpenAIs Astra.
Carbon und Barium sind daher höchstwahrscheinlich Zwischenstände oder Updates innerhalb der Argon-Familie und keine eigenen neuen Stufen. Einige Details sprechen dafür:
- Ein Mitarbeiter bezeichnete Carbon intern als "Gemini pro next model", was auf eine Veröffentlichung unter dem Namen Argon hindeutet.
- Interne Dokumente zeigen, dass das inzwischen von Google vorgestellte Argon-Modell zuvor den Namen "Barium-B" trug.
- Die Codenamen scheinen aufeinanderfolgende Versionen derselben Modellreihe zu bezeichnen und keine eigenständigen Produkte.
Noch ist unklar, ob Carbon als Argon-Update oder als eigenständiges Modell erscheinen wird.
Ein schnellerer Update-Rhythmus
Bei seinen Flash-Modellen hat Google bereits ein hohes Tempo vorgelegt, und die Codenamen von Gemini 4 lassen auf denselben schnellen Takt schließen. Das könnte bedeuten, dass Google inzwischen besser darin ist, KI-Systeme beim Bau ihrer Nachfolger einzusetzen.
Darauf schien Google-DeepMind-Mitarbeiter Vedant Misra anzuspielen. Als Reaktion auf den Bericht von Business Insider schrieb er auf X: "Have you heard of recursive self improvement" ("Schon mal von rekursiver Selbstverbesserung gehört"). Der Begriff beschreibt den Einsatz von KI, um bessere KI zu entwickeln. OpenAI und Anthropic haben beide von ähnlichen Fortschritten in ihrer eigenen Arbeit berichtet.
Googles Apps machen sich bereit
Einen offiziellen Starttermin für Gemini 4 hat Google nicht bekanntgegeben, doch seine Produkte verändern sich bereits auf eine Weise, die nach Vorbereitung aussieht.
- Die Gemini-App bietet für die Modelle der 3er-Reihe jetzt einen "Automatisch"-Modus.
- Nutzer können die Reasoning-Intensität stufenlos von niedrig bis hoch einstellen - eine Änderung, die kommt, während Google auch seine Gemini-Stufen umgebaut hat.
- Google AI Studio, das Entwicklerwerkzeug des Unternehmens, hat einen neuen "Ultra"-Modus erhalten, der "fortgeschrittene Fähigkeiten und Werkzeuge" verspricht.
Googles Logan Kilpatrick bestätigte, dass das Team daran arbeitet, das Maximum aus Argon herauszuholen.
Unsere Einschätzung
Durchgesickerte interne Eindrücke sind keine Benchmarks. Ein einzelner Mitarbeiter, der Carbon mit Opus 5.5 vergleicht, ist nur ein Datenpunkt, und der Bericht selbst sagt, dass weitere Tests nötig sind. Leser sollten die Behauptung als Hinweis auf die Richtung verstehen, nicht als Urteil.
Die Richtung zählt trotzdem. Programmieren ist zu einem zentralen Schlachtfeld für die führenden KI-Labore geworden, und Anthropics Opus-Modelle dienen dort als Maßstab. Gelingt es Google, diesen Abstand innerhalb der Argon-Familie zu schließen, könnten Entwickler, die ein Modell für Programmier-Agenten auswählen, eine stärkere Alternative von Google bekommen als bisher.
Der spannendere Aspekt ist womöglich das Tempo. Misras Kommentar passt zusammen mit ähnlichen Aussagen von OpenAI und Anthropic zu einer breiteren Entwicklung in der Branche, in der KI die Modellentwicklung beschleunigt. Auch Googles eigene Forschung zu sich selbst verbessernden Agenten weist in diese Richtung. Als Nächstes gilt es zu beobachten, ob Carbon unter dem Namen Argon erscheint, wie es in unabhängigen Tests abschneidet und ob Googles kurze Veröffentlichungszyklen Bestand haben, sobald Gemini 4 öffentlich ist.
