Nvidia: 2 Mrd. Dollar für Europa, 250 Mio. für UK-Labore

Nvidia: 2 Mrd. Dollar für Europa, 250 Mio. für UK-Labore

Nvidia-Chef Jensen Huang ist auf Europatour, und er gibt unterwegs Geld aus. In Paris kündigte er laut Bloomberg an, dass Nvidia 2 Milliarden Dollar neu in ganz Europa investieren wird. Weitere Einzelheiten sollen in der darauffolgenden Woche folgen. In Großbritannien stellt das Unternehmen Hochschullaboren, die zur KI-Sicherheit forschen, ein großes Kontingent an Rechenleistung zur Verfügung.

Die beiden Ankündigungen verfolgen unterschiedliche Ziele. Bei der einen geht es um die geschäftliche Präsenz auf dem Kontinent. Bei der anderen geht es darum, Glaubwürdigkeit in einer Forschungsgemeinschaft aufzubauen, der es sehr darauf ankommt, wie sich KI-Systeme verhalten. Zusammen zeigen sie, wie Nvidia in Europa wahrgenommen werden will: als Investor, als Lieferant und als Partner der Forschung.

Die Ankündigungen in Paris

Die Summe von 2 Milliarden Dollar sticht ins Auge, braucht aber Einordnung. Nvidia hat im vergangenen Jahr rund 8 Milliarden Dollar in Europa ausgegeben. Die neue Zusage baut also auf einer bestehenden Präsenz auf und ist kein erster Schritt in die Region.

Huang gab außerdem neue Beteiligungen an vier französischen Start-ups bekannt:

  1. Doctolib
  2. Genesis AI
  3. Pigment
  4. Entalpic

Die Quelle nennt weder die Höhe der einzelnen Beteiligungen noch, wie sie sich in die Gesamtsumme von 2 Milliarden Dollar einfügen. Trotzdem ist eine Reihe von Investitionen in französische Firmen, verkündet in Paris, eine unübersehbare Geste an eine der lebhaftesten KI-Start-up-Szenen Europas.

Huangs politische Botschaft war ebenso deutlich wie das Geld. Er warb für Open-Weight-Modelle als Weg, auf dem Europa seinen Rückstand bei KI aufholen könne. Open-Weight-Modelle sind Systeme, deren trainierte Parameter veröffentlicht werden. Andere können sie herunterladen, auf eigener Hardware betreiben und anpassen. In Europa gibt es bereits Entwickler, die in diesem Bereich arbeiten, darunter Mistrals große Open-Weight-Modelle. Für Nvidia ist das Werben geschäftlich sinnvoll. Jedes Unternehmen und jede Regierung, die ein eigenes Modell betreiben will, braucht dafür Hardware.

Huang wiederholte zudem seine Ablehnung von Forderungen, die KI-Entwicklung zu bremsen. Neu ist diese Haltung bei ihm nicht, doch er bekräftigte sie in Europa, wo die Regulierer zu den aktivsten der Welt gehören.

London und Berlin auf dem Reiseplan

Paris ist nicht die letzte Station. Auch London und Berlin stehen auf dem Programm. Damit sind die drei größten Volkswirtschaften Westeuropas abgedeckt, jede mit eigenen KI-Ambitionen und einer eigenen Mischung aus Start-ups, Hochschulen und staatlichen Programmen.

250 Millionen Dollar an Rechenleistung für britische Sicherheitsforschung

Der britische Teil der Reise ist der ungewöhnlichere. Nvidia spendet britischen Laboren über fünf Jahre Rechenleistung im Wert von 250 Millionen Dollar. Gemeint ist der Zugang zu der Rechenkapazität, die man zum Trainieren und Betreiben von KI-Modellen braucht, eine der teuersten Ressourcen der Branche.

Zu den unterstützten Laboren gehören:

  • BOLD an der University of Oxford
  • SOFAIR am UCL (University College London)
  • Imperial College London

Zu den Schwerpunkten zählen unter anderem die Sicherheit und Absicherung von KI-Agenten. Die Forschung umfasst außerdem offenes Lernen, Open-Source-KI-Architekturen und die Sicherheit von Robotern. Die Sicherheit von Agenten ist zu einem drängenden Thema geworden, seit KI-Systeme nicht mehr nur Fragen beantworten, sondern selbst handeln. Jüngste Vorfälle, etwa KI-Tests, die ins offene Internet durchsickerten, zeigen, warum Forschende solche Fehler genau untersuchen wollen.

Kanishka Narayan, der britische KI-Minister, begrüßte die Spende und nannte sie einen "Vertrauensbeweis für unsere weltweit führende Stärke und Expertise in der KI-Forschung". Die Bemerkung spiegelt vermutlich den Ruf des britischen AI Security Institute wider, einer staatlich getragenen Einrichtung, deren Arbeit in der Fachwelt hohes Ansehen genießt.

Der Widerspruch in der Botschaft

Nvidias Haltung enthält einen scheinbaren Widerspruch. In Paris sprach sich Huang gegen eine Verlangsamung aus. In London finanziert sein Unternehmen Forschung dazu, wie KI-Agenten und Roboter versagen können. Die beiden Positionen müssen sich nicht widersprechen. Ein Unternehmen kann für Tempo werben und zugleich Arbeit bezahlen, die dieses Tempo weniger riskant macht. Bemerkenswert ist die Kombination trotzdem, zumal der öffentliche Druck wächst. In den USA etwa deuten Umfragen darauf hin, dass sich viele Menschen eine langsamere KI-Entwicklung wünschen.

Unsere Einschätzung

Das deutet darauf hin, dass Nvidia Europa weniger als einheitlichen Markt sieht, sondern eher als eine Reihe nationaler Wetten. Frankreich bekommt Start-up-Beteiligungen und das Werben für Open-Weight-Modelle. Großbritannien bekommt Unterstützung für die Sicherheitsforschung. Als Nächstes folgen London und Berlin, und es lohnt sich zu beobachten, ob Deutschland ein eigenes, maßgeschneidertes Paket erhält.

Das Argument für Open-Weight-Modelle verdient Aufmerksamkeit. Es stellt den Aufbau eigener Modelle als Europas Weg zur Unabhängigkeit bei KI dar, doch dieser Weg hängt weiterhin stark von Nvidia-Hardware ab. Europäische Politiker dürften die Investitionen begrüßen und sich gleichzeitig fragen, wie viel Kontrolle sie dadurch tatsächlich gewinnen.

Die Spende in Großbritannien ist bemerkenswert, weil sie akademische Sicherheitsforschung statt Produktentwicklung fördert. Rechenleistung ist für Hochschullabore oft der Engpass. Fünf Jahre garantierter Zugang könnten mitbestimmen, welchen Fragen diese Gruppen nachgehen können. Leserinnen und Leser sollten im Blick behalten, was BOLD, SOFAIR und das Imperial College veröffentlichen und ob die Einzelheiten des europäischen 2-Milliarden-Dollar-Plans mit der Größenordnung der Schlagzeile mithalten.