KI-Agenten per Nachricht: Die Assistenten in Ihren Chats
Eine neue Art von KI-Assistent verlangt keine Installation. Sie speichern ihn in Ihren Kontakten und schreiben ihm wie einem Freund. Eine aktuelle Übersicht von TechCrunch listet knapp zwanzig solcher Dienste auf, von allgemeinen Helfern bis zu Werkzeugen für Familien, Reisende, Kreative und Büroangestellte.
Das Grundversprechen ist bei den meisten ähnlich. Sie schicken eine Nachricht und beschreiben, was Sie brauchen. Der Agent behält den Kontext im Blick, verbindet sich mit Apps, die Sie ohnehin nutzen, und erledigt die Aufgabe. Typische Aufträge sind Termine buchen, den Kalender ordnen, eine Reise planen, E-Mails verschicken, einen Tisch reservieren, online einkaufen oder Sie einige Tage später an etwas erinnern.
Spitzenreiter bei der Finanzierung: Instinct
Instinct ist der am besten finanzierte Name in der Gruppe. Zunächst sammelte das Unternehmen 350 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar ein. Im September 2026 hob eine Finanzierungsrunde über 1 Milliarde Dollar die Bewertung auf 10 Milliarden Dollar.
Nutzer erreichen Instinct per Text oder Sprache und verknüpfen den Dienst mit E-Mail, Kalender und Google Workspace. Nach Angaben des Unternehmens haben frühe Nutzer damit Reisen geplant, Lebensmittel gekauft, Tickets gebucht und Abos gekündigt. Im September begann Instinct, jedem Assistenten eine eigene E-Mail-Adresse zu geben. So kann der Agent Konten anlegen, Unternehmen kontaktieren und Anfragen nachverfolgen, ohne das Postfach des Nutzers zu füllen. Außerdem führt Instinct nach und nach Telefonanrufe ein. Dieses Maß an Selbstständigkeit hat Bedenken beim Datenschutz und bei der Sicherheit ausgelöst. Instinct befindet sich noch in einer geschlossenen Betaphase.
Assistenten für alles
Mehrere Konkurrenten zielen auf den alltäglichen Papierkram:
- Caddy läuft in iMessage auf dem iPhone und über RCS auf Android. Der Dienst durchsucht Kalender und Unterhaltungen nach Punkten, die erledigt werden müssen, trägt dann Termine ein, setzt Erinnerungen, verfolgt offene Punkte und recherchiert. Öffentliche Beta seit April 2026.
- Folk funktioniert über iMessage, WhatsApp und Telegram und läuft auf einem eigenen privaten Cloud-Rechner, sodass er Code ausführen und mehrstufige Aufgaben erledigen kann. Kostenlose Beta seit Mai 2026; die Pro-Version kostet 8,33 Dollar im Monat für unbegrenzte Hintergrundaufgaben.
- Martin ist per SMS, Telefon, WhatsApp, E-Mail, Slack und über eine iOS-App erreichbar. Er kann für Nutzer Nachrichten verschicken und Anrufe tätigen. Die Tarife beginnen bei 21 Dollar im Monat.
- Poke startete im März 2026. Im Juni ließ Apple den Dienst als ersten KI-Agenten für Apple Messages for Business zu. Einen Monat später kaufte Cognition das Mutterunternehmen The Interaction Company of California in einem Deal, der im niedrigen dreistelligen Millionenbereich bewertet wurde.
- Iris (basierend auf dem Hermes-Agenten), Rene und Pally folgen demselben Prinzip, bei dem alles über Textnachrichten läuft. Rene hat zusätzlich einen Browser, schreibt Code und erstellt Folien und Bilder. Pally bietet eine kostenlose Stufe sowie Bezahltarife für 25 und 100 Dollar im Monat, deren Preis sich teilweise nach Gesprächsminuten richtet.
- Fo von Wajo hat eine eigene E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Zahlungskarte, sodass Nutzer nie ihre eigenen Zugangsdaten herausgeben müssen. Wenn Fo nicht weiterkommt, kann laut Wajo ein menschlicher Assistent die Aufgabe zu Ende bringen.
Für Familien gemacht
Die Organisation des Haushalts ist die am dichtesten besetzte Nische. Fambot schickt jeden Abend eine Zusammenfassung des nächsten Tages mit Terminen, Aufgaben und Details wie Schuluniformen, und Eltern können per Antwort Änderungen vornehmen. Der Dienst verbindet sich mit Gmail und Google Calendar, hat 3,5 Millionen Dollar in einer Pre-Seed-Finanzierung eingesammelt und will nach der kostenlosen Beta ungefähr so viel verlangen wie ein Netflix-Abo. Ohai beginnt bei 9,99 Dollar im Monat, der Preis richtet sich nach der Familiengröße. Ollie bezeichnet sich als einen der ersten massentauglichen Familienassistenten mit SOC-2-Konformität, einem weit verbreiteten Sicherheitsstandard; die Bezahltarife liegen zwischen 25 und 100 Dollar im Monat. Orbits, unter anderem unterstützt vom Speedrun-Fonds von a16z, kann Restaurants buchen, Einkäufe tätigen und Angebote von Dienstleistern einholen.
Reisen, Inhalte und Arbeit
Miso verbindet KI-Reiseplanung in iMessage mit einem eigenen menschlichen Reiseteam und berücksichtigt Treuepunkte. Stanley dient Kreativen als KI-Content-Chef, macht aus Sprachnotizen Skripte und Bildunterschriften und plant Beiträge. Tomo (19,99 Dollar im Monat) kann Gruppenchats beitreten, statt nur einer einzelnen Person zu dienen. Town konzentriert sich auf berufliche Aufgaben in E-Mail, Dokumenten und Slack und hat im Juni 2026 eine Series-A-Finanzierung über 55 Millionen Dollar eingesammelt. Skye von Signull Labs geht einen anderen Weg: als "agentischer Homescreen" für das iPhone, der Karten und Audio-Briefings anzeigt.
Unsere Einschätzung
Das Muster ist eine Abkehr von eigenständigen Apps hin zum Nachrichtenverlauf als wichtigster Benutzeroberfläche. Ähnliche Ideen tauchen auch bei größeren Unternehmen auf, von einem DoorDash-Agenten, der Bestellungen per Textnachricht annimmt, bis zu OpenAIs ständig aktiven Dots-Agenten. Für Nutzer ist die Hürde niedrig. Der Preis dafür ist der Zugriff. Viele dieser Assistenten lesen Postfächer, Kalender und Chats, und einige haben eigene E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder Zahlungskarten.
Damit dürfte die Sicherheit zum entscheidenden Unterscheidungsmerkmal werden. Ollies Betonung von SOC 2 und die Bedenken rund um Instinct deuten darauf hin, dass Käufer zunehmend fragen werden, was ein Agent tun darf, und nicht nur, wie clever er ist. Die jüngsten Streitigkeiten über Agenten, die private Nachrichten lesen, weisen in dieselbe Richtung. Es lohnt sich zu beobachten, ob sich ein überfülltes Feld ähnlicher Produkte konsolidiert, wie es der Verkauf von Poke an Cognition andeutet, und ob Plattformbetreiber wie Apple beginnen, strengere Regeln für Agenten in Messaging-Diensten aufzustellen.
